Der Suworow-Feldzug über die Alpenpässe im historischen Kontext

Der Feldzug des russischen Generalissimus Alexander Suworow über die Schweizer Alpenpässe im Jahre 1799 war eine Folge der Französischen Revolution. Zar Paul I. schickte seinen Oberbefehlshaber Suworow nach Italien, um die dort einmarschierte französische Revolutionsarmee zu besiegen und die monarchistische Ordnung wieder herzustellen.
Suworow-Gemälde von Wassili Surikow

In der russischen Kultur verankert: Der Feldzug von Generalissimus Suworow über die Schweizer Alpenpässe 1799 (Gemälde von Wassili Surikow).

(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)

Alexander Suworow gegen die französische Revolutionsarmee

Der Suworow-Feldzug über die Schweizer Alpenpässe im Jahre 1799 war eine Folge der Französischen Revolution. Zar Paul I. schickte den russischen Oberbefehlshaber Alexander Suworow nach Italien, um die dort einmarschierte französische Revolutionsarmee zu besiegen und die monarchistische Ordnung wieder herzustellen.

Unter dem Einfluss der französische Revolutionsarmee rebellierte nämlich in halb Europa das Volk gegen die Macht des Papstes und der Monarchien. Nacheinander wurden die Helvetische Republik, die Römische und die Neapolitanische Republik ausgerufen.

Suworow: “Vorwärts, ohne Ruhe und Rast, den Sieg ausnutzen!”

Gegen die Franzosen bildete sich eine Koalition europäischer Monarchien unter österreichischer Führung. Deren Koalitionstruppen waren zusammen mit der Suworow-Armee zahlenmässig überlegen. Suworow löste zudem die österreichische Pedanterie ab durch russische Verwegenheit und unbedingten Siegeswillen:

„Angreifen!!! Blanke Waffe! – Bajonette, Säbel! Erdrücken und ergreifen, keine Sekunde verlieren, alles besiegen, sogar die undenkbaren Hindernisse bewältigen, dem Feind auf den Fersen sein. Vorwärts, ohne Ruhe und Rast, den Sieg ausnutzen!“

Alexander Suworow achtete auf strenge Disziplin seiner Truppen

Österreicher und Russen rückten unter Suworows Kommando im Eilmarsch vor. Sie besiegten die Franzosen im April 1799 in der Schlacht am Fluss Adda, eroberten dann Mailand zurück und kurz darauf Turin. Zuletzt besiegte Suworow im Juni 1799 die Franzosen in der Schlacht an der Trebbia.

Generalissimus Suworow – General der Generäle – war auf dem Schlachtfeld erbarmungslos gegenüber dem Feind, achtete aber auf strenge Disziplin in seinen Truppen. Er schützte die Zivilbevölkerung, nahm Rücksicht auf die Rechte und Bräuche der Einheimischen.

Den österreichischen Feldherren ging diese Rücksichtnahme zu weit – und der Koalitionspartner Russland war ihnen zu mächtig. Deshalb beauftragten sie die motivierten und disziplinierten Russen im September 1799, die Franzosen aus der Schweiz zu werfen.

Suworow: “Wir sind doch Russen!”

Gleichzeitig zogen sich die Österreicher aus der Schweiz zurück und lieferten das russische Korps von Rimski-Korsakow bei Zürich den Franzosen ans Messer. Als ihm Suworow zu Hilfe kommen wollte, liessen die österreichischen Koalitionspartner auch den Generalissimus im Stich:

„Wir sind ohne Proviant, ohne Patronen, ohne Artillerie. Keine Hilfe ist zu erwarten. Wir sind am Rande des Abgrundes. Uns bleibt nur die Hoffnung auf die Tapferkeit und Opfermut meiner Truppen! Wir sind doch Russen!“

Suworow Marsch, Karte

Marschroute: Der Feldzug von Generalissimus Suworow über die Schweizer Alpenpässe 1799.

(Foto: zVg)

Die Suworow-Armee kämpft ums Überleben

Die Suworow-Armee eroberte zuerst den Gotthardpass von den Franzosen, dann mussten sie über den Kinzigpass und den Pragelpass nach Glarus marschieren. Vergeblich versuchte Alexander Suworow, Richtung Zürich vorzustossen, um dort Rimski-Korsakow zu helfen.

Von den Österreichern verraten und von der französischen Armee verfolgt, kämpften die Truppen Suworows im Glarnerland um ihr Leben. In einer Nacht- und Nebelaktion mussten sie sich über den tief verschneiten 2‘500 Meter hohen Panixerpass ins Bündnerland retten.

Mitte Oktober 1799 erreichte die Suworow-Armee die Stadt Chur. Von dort mussten die total erschöpften und zerlumpten Soldaten weiter über die St. Luzisteig nach Österreich marschieren, wo sich die Suworow-Armee mit dem Rest von Rimski-Korsakows Armee vereinte.

Grosse kämpferische Leistung – aber politisch eine Katastrophe

Die Leistung von Suworows Armee war unglaublich: In 21 Tagen waren die Russen über vier Alpenpässe mit 7‘100 Meter Höhenunterschied marschiert, insgesamt 370 Kilometer. Dabei mussten sie zentnerschwere Kanonen über die Berge schleppen, wurden immer wieder in blutige Schlachten verwickelt und von heftigen Schneestürmen aufgehalten.

Das militärische und politische Ergebnis dieses Feldzugs war aber katastrophal: Die Koalitionspartner verloren mit Ausnahme des Tessins und einiger Bündner Bergtäler die ganze Schweiz. Die französischen Revolutionstruppen plünderten und verwüsteten Felder und Dörfer. Die Schweiz blieb bis zum Sturz Napoleons eine Republik von Frankreichs Gnaden.

Besonders schlimm hatte es die stolze Armee von Alexander Suworow erwischt: Von seinen 21‘000 Mann blieben nur 15‘000 hungrige und heruntergekommene Soldaten übrig, von denen wiederum 5‘000 mehr tot als lebendig waren. Sie hatten auf den Alpenpässen die Hälfte ihrer Pferde und Maultiere verloren, ebenso die ganze Artillerie. Heute noch finden Wanderer Kanonenteile und Munition auf dem Panixerpass.

Suworow Marsch, Höhenmeter

Höhenmeter und Leistungskilometer: Der Feldzug von Generalissimus Suworow über die Schweizer Alpenpässe 1799.

(Foto: zVg)

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Ein Kommentar
  1. Ein sehr guter Artikel für diejenigen, die über Suworow überhaupt nichts wissen. Kurz und bündig.

    PS. Suworow: “Gott führt uns, er ist unser General !”

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