Suworow – vom Kadetten zum Generalissimus von Russland
In Russland wird Alexander Suworow bis heute als Generalissimus und einer der grössten Strategen der Neuzeit verehrt.
(Foto: Historisches Bild / maiak.info)
Kinder- und Jugendjahre von Alexander Suworow
Geboren wurde Alexander Suworow am 24. November 1729 in Moskau in eine Dienstadel-Familie. Das heisst, sein Vater erhielt von Zar Peter I. als Dank für geleistete militärische Dienste grosse Ländereien mit über 1′900 Bauern und einen einträglichen Posten am Zarenhof.
Schon mit dreizehn Jahren wurde Alexander in das Semjonowski-Garderegiment in Sankt Petersburg geschickt. Dort erhielt er neben der militärischen Grundausbildung eine gute Allgemeinbildung, die auch mehrere Fremdsprachen umfasste.
Das intellektuelle und strategische Talent hatte Alexander von seinem Vater geerbt. Dieser hatte das erste russische Militär-Wörterbuch verfasst und es bis zum General-en-Chef gebracht, dem zweithöchsten militärischen Dienstgrad im Zarenreich.
Die legendären Husarenstücke von Suworow
Im Jahre 1751 reiste Alexander Suworow als Diplomat nach Dresden und Wien. Danach stieg er im Militär vom Oberproviantmeister über den Regimentskommandanten schnell alle Hierarchiestufen hinauf.
Schon früh machte er mit Husarenstücken auf sich aufmerksam: In nur 12 Tagen trieb er 1769 sein Infanterieregiment über 500 Kilometer Fussmarsch nach Warschau und nahm die Stadt ein. Immer noch in Polen besiegte Suworow im September 1771 mit 822 russischen Soldaten eine fünffache Übermacht. 1772 brachte er die Burg von Krakau zur Kapitulation.
Danach trieb Suworow seine Infanteristen in einem Rekord-Fussmarsch 1′400 Kilometer zurück nach Sankt Petersburg. Er selbst zog gleich weiter in den Russisch-Türkischen Krieg, wo er 1774 mit nur 8′000 Mann rund 40′000 türkische Soldaten besiegte.
Suworow (über-)lebte auf allen Schlachtfeldern
1774 heiratete Alexander Suworow die Tochter eines Generals. Während seinen kurzen Aufenthalten in der Heimat zeugte er eine Tochter und später einen Sohn.
Suworows “richtiges” Leben spielte sich aber auf Schlachtfeldern ab: 1775 beendete er einen Bauernkrieg gegen den Zaren von Kosaken, Baschkiren, Tataren, Kasachen, Kalmücken und Leibeigenen. Den Bauernführer Pugatschow brachte er nach Moskau – wo ihn Zarin Katharina II. hinrichten liess.
Ein Phänomen ist, dass seine Verwundungen den Mythos des “Unbesiegbaren” verstärkten: Im Russisch-Türkischen Krieg wurde Suworow 1787 an der linken Hüfte und am Unterarm verwundet, 1788 am Hals. Als er sich in einer Festung verarzten liess, explodierte dort das Pulvermagazin. Suworow überlebte das Unglück schwer verletzt, musste aber einige Monate aussetzen.
Suworow gründete Odessa und baute die Festungen Tiraspol und Sewastopol
1789 war er schon wieder quer durch Europa im Kriegsdienst für Zarin Katharina II.. Er zog von der Krim-Halbinsel am Schwarzen Meer über die schwedisch-russische Grenze zurück an das Schwarze Meer. Dort gründete Suworow die Hafenstadt Odessa und die Festung in Tiraspol, danach baute er die Hafenstadt Sewastopol zu einer starken Festung aus.
1794 beauftragte ihn Katharina II., den Kościuszko-Aufstand zu beenden: “Ich schicke eine doppelte Macht nach Polen: die Armee und Suworow!” Tatsächlich bereitete dieser dem Aufstand rücksichtslos ein schnelles Ende.
Mit 64 Jahren erhielt Suworow den lang ersehnten Rang des Feldmarschalls und kommandierte alle russischen Truppen in Polen. Zusätzlich schenkte ihm die Zarin die riesigen Ländereien des letzten polnischen Königs, der in russischer Haft verstarb.
Der Zar entlässt Suworow – aber er braucht ihn
Die Thronbesteigung von Zar Paul I. im Jahr 1796 hatte für Feldmarschall Suworow Konsequenzen: Nach dem preussischen Vorbild löste Paul I. das Stabswesen auf. Die Offiziere durften keine Entscheidungen mehr treffen und der Zar entliess Suworow unehrenhaft, stellte ihn sogar unter Aufsicht.
Weil der Zar aber 1799 zusammen mit Österreich die französischen Truppen aus Oberitalien vertreiben wollte, rehabilitierte er Suworow. Als Generalissimus – General der Generäle – wurde er Oberbefehlshaber sämtlicher Streitkräfte Russlands.
Wieder auf dem Schlachtfeld war Alexander Suworow in seinem Element: Er gewann in Oberitalien die Schlachten an der Adda und an der Trebbia, danach eroberte er Mailand und Turin. Für seine Erfolge wurde Suworow vom Zaren zum Fürst von Italien erhoben.
Der unglückselige Suworow-Feldzug durch die Schweiz
Zar Paul I. schickte die Suworow-Armee daraufhin in die Schweiz. Ende September eroberten sie den Gotthardpass von den Franzosen, mussten sich dann aber über den Kinzigpass und den Pragelpass nach Glarus zurückziehen. Über den bereits verschneiten Panixerpass marschierte die Suworow-Armee ins Bündnerland, um nicht den Franzosen in die Hände zu fallen. Über Chur und die St. Luzisteig rettete er sich ins sichere Österreich.
Von Suworows 25.000 Mann waren nur 15.000 übrig geblieben. Die russische Italien-Armee wurde auf dem brutalen Marsch über die verschneiten Alpenpässe aufgerieben und politisch war Russland in den folgenden Verhandlungen mit den anderen Staaten deklassiert.
Der Zar revanchierte sich dafür im März 1800, indem er Suworow kühl abservierte. Paul I. machte Suworow für die Verluste verantwortlich, obwohl er selbst vier Jahre zuvor den Offizieren die Kompetenzen für eigene Entscheide weggenommen hatte.
Der Zar ist vergessen – Suworow bleibt in den Herzen der Russen
Am 18. Mai 1800 starb Alexander Suworow und wurde sechs Tage später im Alexander-Newski-Kloster in Sankt Petersburg beigesetzt. Die Presse und der Hof schwiegen ihn im wahrsten Sinne des Wortes tot, das einfache Volk versammelte sich aber in grosser Zahl zur Beerdigung.
Ein Jahr später wurde Paul I. ermordet, er ging als unfähiger und reformfeindlicher Zar in die Geschichte ein. Alexander Suworow hingegen wird in Russland als einer der grössten Strategen der Neuzeit und als siegreicher Generalissimus verehrt.
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Suworow war ein militärisches Genie.
Er hatte nur das Unglück die Österreicher als Alliierten zu haben.
PS. Ich frage mich, ob es heute eine moderne Armee im Stande wäre, die Alpen zu überqueren.
Das bezweifle ich.
Suworow hatte recht.
Das können nur die Russen.