Gesellschaft Schweiz-Russland: GV 2010 wählt neue Co-Präsidenten

Die GV 2010 der Gesellschaft Schweiz-Russland wählte mit Marianna Polischuk und Jürg Vollmer neue Co-Präsidenten, welche die GSR in die Zukunft führen und als Dachorganisation aller schweizerisch-russischen Gruppierungen positionieren sollen. Der bisherige Präsidenten Samuel Eichenberger und der langjährige Vorstand wurden mit grossem Applaus verabschiedet.
Sowjetische U-Boot-Uhr, Modell 5-2 ЧМ von 1990, 4

Neue Zeitrechnung für die Gesellschaft Schweiz-Russland: Wie die U-Boot-Uhr immer vorwärts gehen, auch bei “starkem Seegang”.

Foto: Jürg Vollmer / maiak.info

Von der Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion zur Gesellschaft Schweiz-Russland

Am 17. April 2010 übergaben GSR-Präsident Samuel Eichenberger und die zurücktretenden Vorstandsmitglieder Edith Reolon, Theres Kölliker, Evelyne Hofer und Albert Germanier das Steuer der Gesellschaft Schweiz-Russland einem frischen Vorstand.

Ein Blick zurück: Seit 1925 förderte die damalige Gesellschaft Schweiz-Sowjetunion den kulturellen Austausch und die Verständigung der Völker zwischen den beiden Staaten, selbst während des Kalten Krieges. Kurioserweise wurde die Gesellschaft Schweiz–Sowjetunion erst 14 Monate nach dem Zerfall der Sowjetunion 1991 aufgelöst und als Gesellschaft Schweiz–Russland GSR neu gegründet.

Im Februar 1993 übernahm der junge GSR-Präsident Samuel Eichenberger ein “führungsloses Schiff”, das er bewusst aus politischen Untiefen in sichere Gewässer führte. Eichenberger betonte die humanitäre Hilfe sowie den kulturellen Austausch zwischen der Schweiz, der frisch gegründeten Russischen Föderation und den GUS-Ländern (dem Zusammenschluss verschiedener Nachfolgestaaten der Sowjetunion).

Neu ein Co-Präsidium für die Gesellschaft Schweiz-Russland

Nach bald zwei Jahrzehnten ehrenamtlicher Tätigkeit suchte GSR-Präsident Samuel Eichenberger im Winter 2009/2010 einen Nachfolger für sich und die zurücktretenden Vorstandsmitglieder. Im Gespräch mit Exponenten der schweizerisch-russischen Gemeinschaft ergab sich ein Co-Präsidium, das sich ideal ergänzt.

  • Marianna Polischuk (1970 in Moskau) studierte in Moskau, Paris und Zürich und arbeitet als Sprachlehrerin. Sie ist Mit-Initiantin des Kulturvereins Das Russische Haus in der Schweiz, der die russische Kultur dem Schweizer Publikum näher bringt. Bekannt wurde der Verein 2008 mit der ersten Russischen Kulturwoche in Zürich. Zu seinen Aufgaben gehört aber auch die Unterstützung russischer Expats – insbesondere Frauen und Kindern – bei der Integration und Selbstentwicklung in der schweizerischen Diaspora.
  • Jürg Vollmer (1962 in Chur) arbeitete als Journalist u.a. für die Schweizer Nachrichtenagentur sowie das Schweizer Fernsehen und war Kommunikationsberater für Nichtregierungsorganisationen in Ostafrika und Osteuropa. 2008 wurde Vollmer “für seine kritische, aber respektvolle Annäherung an Russland, Belarus und Ukraine” mit dem Schweizerisch-Russischen Journalistenpreis ausgezeichnet. Im Mai 2009 gründete er das spendenfinanzierte Pressebüro maiak, das deutschsprachigen Medien kostenlos Hintergrundberichte über Russland, Belarus und die Ukraine zur Verfügung stellt.

Sie werden zusammen mit den neu (respektive wieder) gewählten Vorstandsmitgliedern Martin Diggelmann (Finanzen), Tatjana Schmidlin (Kultur, bisher), Regula Spalinger (Wirtschaft) und Manfred Spalinger (Kultur und Informatik, bisher) die GSR in die Zukunft führen. Ein erster Schritt war an der Generalversammlung 2010 eine Änderung der Statuten, um die Gesellschaft Schweiz-Russland offiziell als Dachorganisation aller schweizerisch-russischen Gruppierungen zu positionieren.

Die Gesellschaft Schweiz-Russland als offizielle Dachorganisation

Als älteste schweizerisch-russische Organisation mit der grössten Mitgliederzahl hatte die Gesellschaft Schweiz-Russland GSR seit 1925 Aufgaben einer Dachorganisation wahrgenommen, ohne sich offiziell als solche zu bezeichnen.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 kamen immer mehr Bürger der GUS-Länder in die Schweiz. Heute sind es rund 13′000 Personen, die sich in schätzungsweise 50 Gruppierungen organisieren – von der lokalen Kinderkrippe über den regionalen Kulturverein bis zur landesweit vertretenen (orthodoxen) Kirche oder der internationalen Stiftung Jugendaustausch Schweiz-GUS.

Mit der Statutenänderung positioniert sich die Gesellschaft Schweiz-Russland GSR neu offiziell als Dachorganisation all dieser schweizerisch-russischen Gruppierungen. Sie vertritt einerseits die schweizerisch-russische Gemeinschaft aktiv in Politik, Wirtschaft und Medien – andererseits stellt die Dachorganisation den angeschlossenen Gruppierungen ihr Know-how und verschiedene Instrumente zur Verfügung.

Zum Beispiel (gemeinsam mit maiak) eine fixfertige Website für einen kleinen Pauschalpreis oder den E-Mail-Newsletter “Kulturinfo” und den “Osteuropa-Kalender”, die beide kostenlos abonniert werden können:

Die schweizerisch-russischen Gruppierungen können sich der Dachorganisation für einen symbolischen Jahresbeitrag anschliessen, bleiben dabei selbstverständlich völlig selbständig. Bis zum Sommer 2011 sollen die wichtigsten Gruppierungen unter dem “Dach” der Gesellschaft Schweiz-Russland GSR versammelt sein. Vorher schon, ab Herbst 2010, wird die Dachorganisation erstmals in Politik und Wirtschaft ihren Einfluss zu Gunsten der schweizerisch-russischen Gemeinschaft geltend machen.

U-Boot-Uhr als Symbol für die Gesellschaft Schweiz-Russland

Nach der Generalversammlung 2010 erhielt der neue Co-Präsident Jürg Vollmer von einem GSR-Mitglied als symbolisches Geschenk eine sowjetische U-Boot-Uhr, Modell Восток 5-2 ЧМ. Diese robusten mechanischen Uhren wurden vor 1991 von der Wostok-Fabrik in Tschistopol hergestellt, 800 Kilometer östlich von Moskau.

Bis heute zeigen die drei (!) Kilogramm schweren Uhren in russischen Atom-U-Booten und Kriegsschiffen die Zeit an. Das massive Stahlguss-Gehäuse muss alle sieben Tage geöffnet werden, um das Uhrwerk mit einem Schlüssel aufzuziehen. Die Восток 5-2 ЧМ hat (gemessen an ihrer archaischen Technik) eine kleine Abweichung von höchstens 90 Sekunden pro Woche und läuft bei –25 Grad Celsius ebenso zuverlässig, wie bei +50° Celsius, ja sogar bei Luftfeuchtigkeit bis zu 80 Prozent!

Das Antrittsgeschenk für den Co-Präsidenten der Gesellschaft Schweiz-Russland habe symbolischen Charakter: Wie die U-Boot-Uhr solle er immer vorwärts gehen und auch bei “starkem Seegang” in der schweizerisch-russischen Gemeinschaft zuverlässig funktionieren. “Wir werden das 85 Jahre alte Schiff GSR mit russischer Robustheit und Schweizer Zuverlässigkeit erfolgreich in die Zukunft lenken”, versprach Jürg Vollmer.

Verwandte Artikel:

  1. Hans Erni: Ehrenmitglied der Gesellschaft Schweiz-Russland
  2. Gesellschaft Schweiz-Russland ehrt Hans Erni
  3. Tag der slawischen Schrift und Kultur 2010 in der Schweiz
  4. maiak zu den “200 besten Websites der Schweiz 2010″ gewählt
  5. Jugendaustausch Schweiz-GUS: Jubiläums-Buch “Alles läuft nach Plan!”

Jetzt sind Sie an der Reihe! Ergänzen Sie diesen Beitrag mit Ihrem Wissen oder Ihrem Kommentar