Jugendaustausch Schweiz-GUS: Jubiläums-Buch “Alles läuft nach Plan!”
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!”, das Buch zum 20jährigen Jubiläum vom Jugendaustausch Schweiz-GUS.
(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)
Der erste Jugendaustausch Schweiz-GUS im Jahre 1988
Mit dem Jugendaustausch Schweiz-GUS erleben Schweizer Jugendliche seit 20 Jahren den Alltag in Russland, in der Ukraine oder Belarus. Grundsätzlich besteht das Programm aus einem Monat Sprachkurs und einem Monat Praktikum in einem lokalen Unternehmen oder einer Organisation. Sprachkurs und Praktikum können auf Wunsch verlängert werden. Eine Möglichkeit, die viele Jugendliche nutzen, obwohl der Alltag in diesen Transformationsländern viel Initiative, Toleranz und Engagement verlangt.
Entstanden ist die Idee zum Jugendaustausch mit den russischsprachigen Ländern 1988, als drei Lehrer und Juniorentrainer aus Luzern der sowjetischen Botschaft in Bern einen Jugendaustausch vorschlugen. Ihr Brief blieb lange unbeantwortet, dann jedoch musste alles schnell gehen: Innert kürzester Zeit wurde eine erste Reise des Sportclub Kriens zum Fussballclub Kremencug in der Sowjetrepublik Ukraine organisiert – und bald folgte der Gegenaustausch in die Schweiz.
Wie bei der ersten Reise, lief der Jugendaustausch in den Folgejahren alles andere als “nach Plan”: Die 1989 vom Gründer und heutigen Stiftungsratspräsidenten Ferdinand Mäder geschaffene Stiftung Jugendaustausch Schweiz-UdSSR musste nach zwei Jahren ihren Namen ändern, weil die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken UdSSR 1991 zusammenbrach. Mäder schwitzte Blut, denn der Jugendaustausch hatte einige Schweizer Jugendliche in der Sowjetunion, die keine mehr war.
Jugendaustausch Schweiz-GUS: Nichts verläuft nach Plan
Die Stiftung erhielt den neuen Namen Jugendaustausch Schweiz-GUS, eine Abkürzung für die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten GUS der Nachfolgestaaten der Sowjetunion. Aber es blieb dabei: Nichts verlief nach Plan. Ferdinand Mäder musste den Jugendaustausch von Mal zu Mal neu organisieren und entwickelte mit seinem kleinen Team in Luzern Lösungen, die man nie für möglich gehalten hätte.
Zum Beispiel bei der korrekten Berechnung und regelmässigen Auszahlung des Monatslohnes einer russischen Sprachlehrerin, wenn der Rubelkurs von einem Tag auf den anderen um 50 Prozent fällt. Die Partner in den Transformationsländern zeigten dabei schier unglaublichen Erfindungsgeist, was wiederum die Schweizer Jugendlichen vor Ort und die Organisatoren in Luzern enorm flexibel und spontan machte. Eine Charaktereigenschaft, die Schweizern eher selten zugeschrieben wird.
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” – das Buch
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” ist deshalb auch der ironische Titel des Buches zum 20jährigen Jubiläum vom Jugendaustausch Schweiz-GUS, das am Dienstag in Basel vorgestellt wurde. Auf 180 Seiten lassen die Redaktoren Samuel Spycher und Christine Bertschi 34 Autoren zu Wort kommen – wenn man Aussenministerin Micheline Calmy-Rey, den russischen Botschafter Igor Bratchikov und den russischen Minister für Sport, Tourismus und Jugendpolitik dazu zählt. Die Magistraten betonen von offizieller Seite die Wichtigkeit von einem Jugendaustausch Schweiz-GUS.
Die anderen Texte im Jubiläums-Buch “Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” sind aber spannender! Sie machen Zeitgeschichte fassbar, sie werfen einen Blick auf persönliche Geschichten und öffnen den Fundus reichhaltiger Lebenserfahrungen junger Menschen. “Das Buch möchte wie der Jugendaustausch Schweiz-GUS viele Grautöne in das Schwarz-Weiss-Denken bringen”, erklärte der ehemalige Geschäftsführer Luca Froelicher, “und die Bilder von Ost und West hinterfragen.”
Ein anderes Bild der russischsprachigen Länder vermitteln auch die Fotos von Ueli und Verena Gschwind-Spillmann, Judith Schifferle und Silvie Hauser. Sie bilden den farbigen Rahmen um die Texte der unterschiedlichen Autoren. Stellvertretend für die 34 Autoren lasen an der Vernissage die schweizerische Teilnehmerin Gianna Frölicher und der belarussische Essayist Andrey Fedorchenko ihre Texte aus dem Buch vor.
Stellvertretend für Fabian Baumann, Tina Billeter Weymann, Roger Bollinger, Alain Bourgnon, Silvan Brügger, Christina Burkolter, Markus Bürki, Michel Charriere, Carla Cordin, Heidrun Dähler, Andrey Fedorchenko, Gianna Frölicher, Mireille Grädel, Thomas Grob, Silvie Hauser, Matthias Jauslin, Stefanie Jud, Anatolij Karpov aus Ulan-Ude, Julia Kopylova, Sergej Laboda, Ueli Mäder, Ferdinand Maeder, Roland Marti, Heino Meesen, Lea Meister, Raphael Nägeli, Siliva Pena, Georg Schlegel, Ulrich Schmid, Monika Schüepp und Andrea Zink.
- “Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!”
Jubiläumsbuch, 34 Autoren
Jugendaustausch Schweiz-GUS, Mai 2010
ISBN 978-3-033-02421-2
CHF 35.-
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” erklärt Luca Froelicher, ehemaliger Geschäftsführer vom Jugendaustausch Schweiz-GUS.
(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” – der Song
“Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!” ist im Übrigen ein Song der Punkband Graschdanskaja Oborona (Zivilschutz) aus dem Jahre 1988. Die erste sowjetische Punkband inspiriert bis heute Musiker in Russland. Vor allem aber wurde ihr Song zu einem geflügelten Wort in den russischsprachigen Transformationsländern, in denen alles möglich ist – aber vieles nicht nach Plan läuft.
Es ist der ironisch-tragische Soundtrack der Perestroika, der radikalen Umstrukturierung der sowjetischen Gesellschaft mit ihren 290 Millionen Einwohnern. Für die Jugendlichen, die das Lied damals von illegal kopierten Kassetten hörten, verlief das Leben nicht “nach Plan”. So wenig wie für den Jugendaustausch Schweiz-GUS, in dessen kleinem Luzerner Büro heute noch regelmässig der Stossseufzer zu hören ist: “Wsjo idjot po planu! – Alles läuft nach Plan!”
Video: Oben die sowjetische Punkband Graschdanskaja Oborona,
unten ein unbekannter russischer Gitarrist mit einer Cover-Version.
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