Perfekter Service im Flughafen Domodedowo – nicht nur für Oligarchen
Der Flughafen Moskau-Domodedowo: Bietet im Innern westlichen Standard und zeigt von Aussen – gerade im Abendlicht – elegantes Design.
(Foto: Jürg Vollmer / maiak.info)
Von Jens Flottau / maiak.info
In Domodedowo zeigt sich Moskau von seiner besten Seite
Das Beste am Moskauer Flughafen Domodedowo ist die VIP-Lounge, zu der eine Treppe aus der allgemeinen Abflughalle hinunterführt. Dort kann man sich in einen breiten Ledersessel fallenlassen und muss sich um nichts mehr kümmern. Flughafenmitarbeiter holen Ticket, Pass und Gepäck ab und kommen nach einer Weile mit der Bordkarte und Pass zurück.
Wenn es Zeit ist, ins Flugzeug zu steigen, dann werden die Passagiere entweder mit dem Bus über das Vorfeld direkt zur Maschine gefahren oder über Abkürzungen durch das Terminal zum Abfluggate geführt. Im Flughafen Domodedowo zeigt sich Moskau von seiner besten Seite.
Perfekter Service – nicht nur für Oligarchen
Der Service kostet zwar extra, ist aber für jedermann zu haben, nicht nur für Prominente, Politiker oder Oligarchen. Er ist eines von vielen Zeichen dafür, dass man es am Flughafen von Domodedowo in Moskau ernst meint mit dem Bemühen, das Reisen den Passagieren so angenehm wie möglich zu machen. Auch im Rest des Terminals erinnert nichts mehr an den einstigen Ostblock-Mief.
Das Abfertigungsgebäude ist nach einer Komplett-Renovierung mit einer transparenten Fassade ausgestattet, viel Tageslicht strömt hinein und steht damit im wohltuenden Kontrast zum einst grössten Moskauer Flughafen Scheremetjewo, dessen alte Terminals eher an Betonbunker erinnerten.
In Domodedowo gibt es eine Vielzahl von Bars, Geschäften und Restaurants. In einem DVD-”Kino” können die Passagiere rund um die Uhr in Einzel-, Zweier- oder Viererabteilen längere Wartezeiten überbrücken. Für kleine Kinder hat der Flughafen eigene Spielecken eingerichtet, den “grossen Kindern” bietet Domodedowo kostenlos drahtlosen Zugang zum Internet – selbst in Mitteleuropa ist das alles andere als eine Selbstverständlichkeit.
“In einem Zug” von Domodedowo in die Innenstadt
Die meisten Abstellpositionen für die Flugzeuge befinden sich in Domodedowo direkt am Gebäude. Bus-Transfers auf das Vorfeld sind eher selten – und wenn, dann bieten sie interessante Einblicke in die Vergangenheit der sowjetischen Luftfahrt: Auf der anderen Seite des Vorfeldes haben die russischen Fluggesellschaften Dutzende alter Tupolews oder Iljuschins abgestellt, die sie im Alltagsbetrieb längst durch Maschinen von Airbus oder Boeing ersetzt haben.
Domodedowo hat nicht nur ein modernes Terminal, der Flughafen ist auch gut zu erreichen. Die Züge des Rapid Transport System (RTS) verbinden den Flughafen in 40 Minuten mit dem Pawelezer Bahnhof in der Innenstadt – dort gibt es bereits Check-In-Schalter, Passagiere können auch ihr Gepäck aufgeben. Seit 2007 besteht eine zweite Verbindung zum Kalantschowskaja-Bahnhof.
Nur Aeroflot bleibt in Scheremetjewo
Der Aufschwung des Flughafens begann mit dem Einstieg der privatwirtschaftlichen East Line-Gruppe, welche den früheren Inland-Flughafen Domodedowo 1996 für 75 Jahre gemietet hat. Das neue Flughafen-Management musste erhebliche Widerstände überwinden, um internationale Fluggesellschaften davon zu überzeugen, vom etablierten, aber scheusslichen Scheremetjewo-Flughafen umzuziehen.
Die damalige Swissair machte Ende 2001 den Anfang, 2006 folgten British Airways und 2008 die Lufthansa, die viele Partner in der Star Alliance nachzog. Neben den guten Einrichtungen am Flughafen selbst profitiert der Flughafen auch davon, dass er die Heimat für grosse russische Fluggesellschaften ist.
S7 Airlines oder Transaero nutzen Domodedowo als ihre wichtigste Basis, sie haben mittlerweile Partnerschaften gegründet mit mitteleuropäischen Anbietern, die den Flughafen nun als Umsteigeknoten nutzen können. Die grösste russische Fluggesellschaft, die staatliche Aeroflot, ist allerdings in Scheremetjewo geblieben.
Domodedowo baut aus auf 35 Millionen Passagiere/Jahr
Dem Wachstum von Domodedowo hat das keinen Abbruch getan. Im Jahr 2009 kam der Flughafen auf 18,9 Millionen Passagiere. In den ersten drei Monaten des Jahres 2010 zählte der Airport 4,3 Millionen Passagiere, das waren fast 36 Prozent mehr als im vergangenen Jahr. Damit war Domodedowo der am schnellsten wachsende Flughafen Europas und der grösste in Moskau vor Scheremetjewo und Wnukowo.
Damit die vielen zusätzlichen Passagiere auch Platz finden, expandiert Betreiber East Line das Gebäude. Terminal 3, das für Inlandsflüge genutzt werden soll, ist voraussichtlich im Jahr 2012 fertig und soll die Kapazität des Flughafens auf 28 Millionen Gäste pro Jahr steigern. Auch ein viertes Abfertigungsgebäude ist geplant, damit würde der Flughafen bis zu 35 Millionen Passagiere betreuen können. Die vier Gebäude sollen alle miteinander verbunden sein, so dass sie auch für Umsteigeverbindungen geeignet sind.
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Ja, Domodedovo ist der viel angenehmere Landeplatz für Russlandreisende als Shermetovo. Gestutzt habe ich aber, als ich las, dass British Airways das erste westliche Luftfahrtunternehmen im Flugplatz beim Vorortstädtchen Domodedovo gewesen sein soll. Ich kann mich nämlich noch daran erinnern, dort gelandet zu sein, als erst die Swissair und noch keine andere nicht-russische Airline dort landeten …. und dem war auch so. Im Sommer 2001, also kurz vor dem Grounding und dem Auseinanderfallen der SAir-Group, entschied die Swissair, von Shermetovo nach Domodedovo umzuziehen. (http://www.themoscowtimes.com/business/article/swissair-sabena-switch-to-domodedovo/252640.html), was sie dann auch tat. Britsih Airways folgte 2003 und nicht 2006 (http://www.domodedovo.ru/en/main/news/press_rel/?ID=2), als sich bereits schon weitere andere Airlines aus dem Ausland auf dem ehemaligen Inlandflughafen Moskaus niedergelassen hatten.
Danke für den Hinweis! Das werde ich überprüfen und entsprechend korrigieren.
Nach längerer Recherche habe ich einen Nachweis dafür gefunden, dass tatsächlich die ehemalige Swissair im Jahre 2001 die erste internationale Fluggesellschaft war, welche Domodedowo anflog:
http://www.domodedovo-airport.ru/en/main/news/press_rel/?ID=1667
Danke für den Hinweis!
[...] “Dossier: Die Flughäfen in Russland, Belarus und der Ukraine” (Weitere Texte zum Thema) [...]
Ihre obige Darstellung der Verhältnisse am Flughafen Sheremtjevo ist historisch. Ich flog im Sommer 2011 mit KLM nach Sheremetjevo und mit Air France zurück.
Bezüglich Service, Architektur und Anschlussmöglichkeit mit dem Zug an das Metro-Netz kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Die Verhältnisse haben sich gegenüber den wirklich kritikwürdigen Verhältnissen der 90er Jahre massiv geändert.
Die Marktwirtschaft hat hier offenbar “gearbeitet”!
K.S.