Erfundene Stalin-Imagekampagne und Schweinegrippe-Hysterie

Kurzmeldungen aus und über Osteuropa: Heute über eine erfundene Imagekampagne für den Diktator Stalin in Russland, über den Schweinegrippe-Wahlkampf der Politiker in der Ukraine und über Gogols “Revisor” mit Schweizer Dialekt. Die maiak-Kurzmeldungen können Sie mit Twitter auch “live” und kostenlos abonnieren.
RIA Novosti, Svetlana Mironjuk

Die Chefredakteurin von RIA Novosti, Svetlana Mironjuk, kritisiert mit deutlichen Worten einen Journalisten, der ihrer Nachrichtenagentur eine Stalin-Imagekampagne unterstellte.

  • Die Chefredakteurin der russischen Nachrichtenagentur RIA Novosti, Svetlana Mironjuk, kritisiert mit deutlichen Worten den Journalisten Andrew Rettmann, der RIA Novosti eine Stalin-Imagekampagne unterstellte. Im EUobserver schrieb Rettmann: “Ria Novosti is rolling out a new public relations campaign which, according to sources in the PR industry, aims to [...] improve the image of Joseph Stalin.” Besonders zynisch sei, “dass die erfundene Stalin-Imagekampagne genau vor dem Gedenktag für die Opfer der politischen Repressionen publiziert wurde”.

    An diesem äusserst sensiblen Datum für Russland hatte Präsident Dmitri Medwedew die Massentötungen des sowjetischen Diktators Josef Stalin und dessen Verherrlichung scharf kritisiert. Es sei “unzulässig, die stalinschen Repressalien zu rechtfertigen, auch wenn man diese Rechtfertigung als Wiederherstellung der historischen Gerechtigkeit tarnt”. Neben dem Original-Video von Medwedews Stalin-Kritik haben wir auch ein Video mit deutschen Untertiteln gefunden.

  • In der Ukraine schüren Präsident Wiktor Juschtschenko und Regierungschefin Julija Tymoschenko die Schweinegrippe-Hysterie, weshalb unter anderem “Heilmittel” wie Knoblauch und Zwiebeln über Nacht doppelt so teuer verkauft werden! Noch grösser ist der Wucher in der Apotheken: Diese verlangen mehrere hundert Euro (!) für eine einzige Tamiflu-Packung! Während der Schweizer Pharmakonzern Roche in einer Blitzaktion notfallmässig eine Flugzeugladung Tamiflu in die Ukraine schickt, warnt der ukrainische Gesundheitsminister vergeblich die Regierung, sie solle aufhören, weiter Panik zu verbreiten: “Bei uns gibt es Probleme wie in jedem Land der Erde auch.”
  • Im Schauspielhaus Zürich erlebten die Premierenbesucher Gogols “Der Revisor” mit deftigem Witz und fluchenden Schauspielern mitten im Zuschauersaal. Das Schauspielhaus überführte Gogols Theaterstück mittels Aktualisierung und derbem Dialekt aus der russischen Provinz nach Zürich. Für die “Neue Zürcher Zeitung” NZZ ist dies “ein Balanceakt zwischen Slapstick und Stilisierung”, dem “Tages-Anzeiger” machte die Premiere von Gogol mit Schweizer Dialekt hingegen Spass, auch wenn die Aufführung “nicht sehr tief geht”. Ein Detail am Rande: Gogol selbst hörte im berühmtesten St. Petersburger Literatencafé sicher Schweizer Dialekt, denn das “Café Chinois” am Newski-Prospekt gründeten Bündner Zuckerbäcker.

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