Schweizerisch-Russischer Journalistenpreis 2009 für Roth, Gysling und Sedykh

Die Preisträger des Schweizerisch-Russischen Journalistenpreises 2009 heissen Thomas Roth, Erich Gysling und Igor Sedykh. ARD-Journalist Thomas Roth ist bekannt als langjähriger Moskau-Korrespondent, der ehemalige Chefredakteur des Schweizer Fernsehens Erich Gysling ist seit Jahren ein engagierter Russland-Spezialist und Igor Sedykh vom “Kommersant” gilt als ein Doyen des russischen Journalismus.

Der mit 20′000 Dollar dotierte Schweizerisch-Russische Journalistenpreis wird vom Kooperations-Rat Schweiz/Russland jährlich an Medienschaffende vergeben, welche “die Berichterstattung über das jeweils andere Land intensivieren und qualitativ verbessern“. Der Schweizerisch-Russische Journalistenpreis 2009 wurde verliehen anlässlich des Kongresses der World Association of Russian Press WARP in Luzern.

Schweizerisch-Russischer Journalistenpreis für Thomas Roth

Thomas Roth, Ex-Moskau-Korrespondent der ARD

Thomas Roth, langjähriger Moskau-Korrespondent der ARD.

Thomas Roth gehört zu den angesehensten und bekanntesten Korrespondenten im deutschsprachigen Fernsehen. Roth berichtet seit 1991 als Journalist über die ehemalige Sowjetunion und spricht fliessend Russisch.

Thomas Roth, 1951 in Heilbronn geboren, war zuerst landespolitischer Redakteur des Süddeutschen Rundfunk SDR. Ab 1987 drehte Roth als Redakteur des “Weltspiegel” und danach als Korrespondent und Leiter des ARD-Büros in Johannesburg zahlreiche Filme über Nahost und das südliche Afrika.

Von August 1991 bis Ende 2008 war der Fernsehjournalist Thomas Roth ARD-Korrespondent in Moskau. Unterbrochen nur von kurzen “Gastspielen” als stellvertretender WDR-Auslandchef, WDR-Hörfunkdirektor und Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin respektive Chefredakteur der ARD-Gemeinschaftsredaktion. Ab September 1993 war Thomas Roth gleich drei Mal Leiter des ARD-Studio in Moskau, bis er im Dezember 2008 in der gleichen Funktion nach Washington berufen wurde.

Thomas Roth musste in den Staaten der ehemaligen Sowjetunion unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten, zuletzt während des Georgien-Konfliktes. Seine hervorragenden Korrespondentenberichte finden beim Fernsehpublikum grossen Anklang. Mit seinen viel beachteten Reisereportagen “Russisches Tagebuch” und “Winterreise” hat er zudem neue journalistische Formen entwickelt.

Schweizerisch-Russischer Journalistenpreis für Erich Gysling

Erich Gysling, Chefredakteur der "Weltrundschau"

Erich Gysling, Ex-Chefredakteur des Schweizer Fernsehens und Russland-Spezialist.

Erich Gysling hat als ehemaliger Chefredakteur und Chefkommentator des Schweizer Fernsehens SF viele Beiträge über die Sowjetunion und deren Nachfolgestaaten verfasst. Gysling spricht fliessend Russisch, als Präsident von “Forum Ost-West” befasst sich bis heute intensiv mit Osteuropa.

Erich Gysling, 1936 in Zürich geboren, studierte in Wien Kulturgeschichte und arbeitete danach unter anderen für den Berliner Radio-Sender RIAS, bevor er in die Schweiz zurückkehrte. Beim Schweizer Fernsehen SF war er ab von 1964 bis 1996 Leiter der “Tagesschau”, Leiter des Ausland-Ressorts, Mitbegründer und Leiter der Sendung “Rundschau”, Chefredakteur sowie Chefkommentator. Dazwischen leitete Gysling von 1972 bis 1982 die Auslandredaktion der “Weltwoche”.

Heute arbeitet Erich Gysling unter anderem als Moderator und Redakteur der NZZ-Sendung “Standpunkte” im Schweizer Fernsehen SF sowie als Chefredakteur des in sieben Sprachen Jahresbuches “Weltrundschau”.

Schweizerisch-Russischer Journalistenpreis für Igor Sedykh

Igor Sedykh, Doyen des russischen Journalismus

Igor Sedykh, Doyen des russischen Journalismus.

Игорь Седых * Igor Sedykh ist nach Berufsverboten und anderen journalistischen “Hindernissen” in der Sowjetunion seit 1994 Schweiz-Korrespondent u.a. der russischen Tageszeitung “Коммерса́нтъ” * “Kommersant” und ein Doyen des russischen Journalismus.

Igor Sedykh, geboren in den frühen 1940er-Jahren in Moskau, studierte Philologie an der Lomonossov-Universität von Moskau. Seine Karriere als Journalist begann er 1962 beim berühmten sowjetischen Monatsblatt “За рубежом” * “Sa Rubeschom” (Im Ausland), welches Übersetzungen von Beiträgen aus den ausländischen Printmedien druckte und damit praktisch das einzige Fenster in die Welt jenseits des Eisernen Vorhangs war.

1968 berichtete er über das Liberalisierungs- und Demokratisierungsprogramm des Prager Frühlings, was in der Sowjetunion einigen Mut erforderte. In der Nacht zum 21. August 1968 marschierten eine halbe Million Soldaten der Warschauer-Pakt-Staaten in die Tschechoslowakei ein und bereiteten dem Prager Frühling ein frostiges Ende, in Moskau wurde Igor Sedykh mit einem drei Jahre dauernden Berufsverbot gemassregelt.

Es war deshalb nur folgerichtig, dass Igor Sedykh Jahre später mit den Möglichkeiten eines neuen, fortschrittlichen Pressegesetzes von 1991 die unabhängige Российское информационное агентство RIA (Russische Informationsagentur) gründete. Beim Putschversuch vom August 1991 gegen den sowjetischen Präsidenten Michail Gorbatschow war diese Agentur die einzige, die demokratisch blieb und den Putschisten nicht huldigte.

Schon im September 1991 wurde die unabhängige RIA aber in die Informationsagentur Novosti IAN “integriert” (die frühere APN respektive Sowinform) und daraus die heutige RIA Novosti gebildet. Im September 1993 wurde RIA Novosti zur staatlichen Presseagentur erklärt und der staatlichen Medienholding WGTRK untergeordnet.

Igor Sedykh zog es deshalb 1994 vor, den komfortablen Posten des RIA Novosti-Chefredakteurs zu verlassen. Er zog nach Genf und schrieb von dort als Korrespondent für unabhängige Printmedien wie die Tageszeitung “Сегодня” * “Segodnja” (Heute) und die Wochenzeitung “Московские новости” * “Moskowskije Novosti” (Moskauer Nachrichten). Beide Blätter mussten aber ihr Erscheinen einstellen. Heute arbeitet Sedykh noch für die renommierte russische Tageszeitung “Коммерса́нтъ” * “Kommersant” (Geschäftsmann) und für die Monatszeitung “Совершенно секретно” * “Sowerschenno Sekretno” (Streng Geheim).

Sedykh lebt seit Jahrzehnten mit den Gefahren des Journalistenberufes: in der ehemaligen Sowjetunion und im neu gegründeten Russland ebenso wie in Vietnam, wo ihn eine Personenmine sehr schwer verletzte. Aber auch in der jüngsten Zeit erhielt er Morddrohungen, weil er sich mit dem Ex-Chef der russischen Präsidialverwaltung Pawel Borodin auseinandersetzte, der von der Genfer Staatsanwaltschaft wegen Geldwäscherei in zweistelliger Millionenhöhe und Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation verfolgt wird.

Der Schweizerisch-Russische Journalistenpreis seit 2006

2008

  • Christoph Müller, Chefreporter des Schweizer Fernsehens SF.
  • Jürg Vollmer, Chefredakteur von “maiak – The Newsroom of Eastern Europe”.
  • Konstantin Patrin, Chefredakteur der Medienholding “Свобода Слова” * “Meinungsfreiheit”
  • Larisa Schamikowa, Chefredakteurin des Magazins “Персона” * “Persona”
  • 2007

  • Max Schmid, damaliger Moskau-Korrespondent von Schweizer Radio DRS
  • Helen Stehli Pfister, stellvertretende Redaktionsleiterin DOK von Schweizer Fernsehen SF, für ihre Dokumentarfilme aus Russland.
  • Igor Wladimirowitsch Malow, “Радио Маяк” * “Radio Majak” (Radio Leuchtturm).
  • Nikolai Nikolajewitsch Michailow, stellvertretender Chefredaktor von вечерняя москва * Wetschernaja Moskwa (Moskauer Abend).
  • Konstantin Petrowitsch Michailow, Chefredakteur Political Magazin.
  • 2006

  • Roger Köppel, Chefredakteur der Weltwoche in Zürich, für deren Berichterstattung über Russland.
  • Marius Born, Redakteur des Schweizer Fernsehens SF, für seinen Dokumentarfilm „Das kälteste Dorf der Welt — 1000 km durch die sibirische Wildnis“ für die Sendung „Reporter“.
  • Wladislaw Mostowoi, Redakteur des TV-Zentrums in Moskau.
  • Igor Petrov, Journalist und Buchautor.

Der Kooperations-Rat Schweiz/Russland

Der mit 20′000 Dollar dotierte Schweizerisch-Russische Journalistenpreis wird seit 2006 vom Kooperations-Rat Schweiz/Russland vergeben. Der Kooperationsrat fördert seit 2004 die Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland in Wirtschaft, Politik, Medien und Kultur.

Zu seinen bekanntesten Mitgliedern gehören Victorinox-Besitzer Carl Elsener, SP-Nationalrat Andreas Gross, Stadler Rail-Besitzer und SVP-Nationalrat Peter Spuhler sowie der ehemalige FDP-Nationalrat und langjährige Schweizer “Schatten-Aussenminister” Ernst Mühlemann.

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