SkyExpress – die erste russische Billigfluglinie startet durch

SkyExpress wurde 2006 als erste russische Billigfluglinie gegründet und fliegt von Moskau-Wnukowo aus zehn Ziele im Inland an. 2010 will SkyExpress vier bis fünf zusätzliche Destinationen anbieten. Das wäre schon in wirtschaftlich guten Zeiten ein ambitionierter Plan, inmitten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist es umso ehrgeiziger. Falls SkyExpress im Gegensatz zu einigen kränkelnden Konkurrenten den Winter überlebt, kann die Fluggesellschaft durchstarten.
Boeing 737-500 der russischen Billig-Fluglinie SkyExpress

Boeing 737-500 der ersten russischen Billigfluglinie SkyExpress.

Foto: maiak.info

Von Jens Flottau / maiak.info

Die erste russische Billig-Fluggesellschaft

SkyExpress wurde 2006 als erste russische Billigfluglinie von Boris Abramowitsch gegründet, dem die Fluggesellschaft KrasAir gehört. Mit seinem Bruder Alexander hielt er 40 Prozent der Aktien, weitere Teilhaber waren die Europäische Bank für Wiederaufbau und Entwicklung (20 Prozent) sowie die britischen Investmentgesellschaften Altima Partners (20 Prozent), MG Capital (10 Prozent) und Sloane Robinson (10 Prozent).

Boris Abramowitsch gründete danach die Allianz AiRUnion, mit der fünf russische Airlines – seine KrasAir sowie Domodedowo Airlines, Samara, Sibaviatrans und Omskavia – ein Gegengewicht zu Aeroflot bilden wollten. Ende September wurde 2008 AiRUnion aber aufgelöst, die einzelnen Gesellschaften waren pleite, und Abramowitsch verkaufte die junge Billig-Fluglinie im März 2009 an Witali Wanzew, der nun 75 Prozent der SkyExpress-Aktien besitzt. Wanzew ist Miteigentümer des Heimatflughafens von SkyExpress, Moskau-Wnukowo.

SkyExpress nahm den regulären Flugbetrieb im Januar 2007 mit einer Flugverbindung von Moskau-Wnukowo nach Sotschi auf. Die billigsten Flugtickets kosteten anfangs 500 Rubel (rund 15 Euro), die teuersten Tickets so viel wie die Bahn – aber immer noch weniger als jene der anderen Fluggesellschaften. Dazu kamen allerdings noch die Flughafengebühren und ein Treibstoffzuschlag von 500 bis 1000 Rubel. Seit September 2008 hat SkyExpress “Inklusive”-Preise, die Tickets kosten seither 2000 bis 5000 Rubel (150 Euro), einschliesslich Steuern und Gebühren.

SkyExpress hat trotz Finanz- und Wirtschaftskrise ambitionierte Pläne

Auch an SkyExpress ging die globale Finanz- und Wirtschaftskrise nicht spurlos vorüber. Seinen Optimismus lässt sich Maxim Pobereschnik aber trotz allem nicht nehmen. Der Verkaufschef von SkyExpress muss nur lange genug zurückschauen, um optimistisch zu sein. Kurz nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion flogen innerhalb des grossen Reiches noch jährlich 140 Millionen Passagiere mit dem Flugzeug, mit staatlich massiv subventionierten Tickets, aber immerhin.

Zuletzt waren es allerdings nur noch 40 Millionen Passagiere, die kleine SkyExpress von Maxim Pobereschnik fliegt aber schon seit drei Jahren gegen alle Widrigkeiten von Wirtschaft und Politik. Für 2010 hat sie sogar grosse Pläne, das Streckennetz zu erweitern und neue Flugzeuge zu übernehmen. Vorausgesetzt, das Nachfrageloch diesen Winter ist nicht allzu tief.

SkyExpress fliegt derzeit mit neun Boeing 737 aus den frühen 1990er-Jahren zehn Ziele im Inland an. Sie will im kommenden Jahr vier weitere Maschinen übernehmen und vier bis fünf zusätzliche Ziele anfliegen. Das wäre schon in wirtschaftlich guten Zeiten ein ambitionierter Plan, doch inmitten der globalen Finanz- und Wirtschaftskrise ist es umso ehrgeiziger.

Charterflüge bringen SkyExpress mehr Umsatz und Marge

“Der Frühling 2009 war sehr schlecht”, sagt Pobereschnik. Schon im Winter 2008/09 hatte SkyExpress den Abschwung deutlich gespürt und daraufhin neben den Low-Cost-Strecken auch noch ein Charterprogramm aufgelegt, das mittlerweile 30 Prozent zum Umsatz beisteuert. “Das hat uns ein wenig mehr Umsatz und Marge gebracht”, so der Verkaufschef. Mittlerweile sehen die Buchungszahlen schon ein wenig freundlicher aus, im September verkaufte SkyExpress sogar fünf Prozent mehr Tickets als im Vorjahr.

Doch die strukturellen Probleme der Branche plagen den kleinen Anbieter. “In der russischen Luftfahrt haben wir mittlerweile 40 Prozent Überkapazität”, klagt Pobereschnik. Und diese Überkapazitäten führen zu Dumping-Preisen. Im Durchschnitt sind die Preise um 30 bis 40 Prozent gesunken. Marktführer Aeroflot biete die Strecke Moskau-Sotschi und zurück mittlerweile für 1′900 Rubel (rund 57 Euro) an. Vor einem Jahr wäre sie nicht unter 3′000 Rubel pro Strecke zu haben gewesen.

Prohibitive Zollgebühren auf gebrauchte Flugzeuge

Für SkyExpress und die übrigen russischen Fluggesellschaften ist es auch schwer, selbst an gebrauchte Flugzeuge zu kommen. Die Regierung verlangt für importierte Jets vier Millionen US-Dollar Zollgebühren, die Fluggesellschaften müssen zudem eine Garantie in Millionenhöhe hinterlegen.

Unter diesen Bedingungen ist es für eine Billig-Fluggesellschaft schwer, sich zu etablieren. Dies zeigt sich daran, dass SkyExpress-Flüge nicht nur im Internet, sondern auch über Computer-Reservierungssysteme verkauft werden, die von den Fluggesellschaften hohe Gebühren verlangen. SkyExpress erhofft sich davon einen Zugang zu neuen Passagiergruppen. Zudem nutzen viele Russen die Kreditkarte nur, um Geld vom Konto abzuheben, allen anderen Transaktionen trauen sie nicht über den Weg. Deshalb zahlen 80 Prozent der Kunden bar und die Fluggesellschaft muss ein Netz von Partnern aufbauen, bei denen die Kunden ihr Geld loswerden können.

Falls SkyExpress den Winter überlebt, kann die Fluggesellschaft durchstarten

Dennoch sieht Pobereschnik auch Vorteile für sein kleines Unternehmen: “Wir kommen auf 3′000 Passagiere pro Mitarbeiter, Aeroflot nur auf 750. Wir sind also viermal effizienter.” Die SkyExpress-Maschinen sind pro Tag im Durchschnitt knapp zehn Stunden in der Luft. Das ist im internationalen Durchschnitt nicht gerade überragend, angesichts der schwierigen operationellen Bedingungen und der Tatsache, dass das Alter der Flugzeuge 13 Jahre und mehr beträgt, andererseits aber auch nicht so schlecht. Zudem sind viele der Konkurrenten auf den Inlandsstrecken noch mit alten Sowjet-Jets wie der Tupolew Tu-154 unterwegs, die wegen ihres hohen Treibstoffverbrauches wirtschaftlich mit den SkyExpress-Boeings bei weitem nicht mithalten können.

Indirekt hat die Wirtschaftskrise, so glaubt man bei SkyExpress, vielleicht auch ihr Gutes. Viele Konkurrenten werden den Winter, in dem die Nachfrage saisonal bedingt stark abnimmt, nicht überleben. 2010 könnte SkyExpress dann mit den übrigen Verbliebenen wieder durchstarten, darauf hoffen, dass das Schlimmste hinter ihr liegt, und weiter von 140 Millionen Passagieren im Luftraum der ehemaligen Sowjetunion träumen.

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